Spiekeroog-Radar
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Sitzungsvorlage
Sachverhalt, den ein Gremium berät.

Vorgehensweise zur Bekämpfung und Prävention zukünftiger Mückenplagen

Zusammenfassung

Wie das funktioniert

Im September 2024 traf eine ungewöhnlich starke Mückenplage Spiekeroog; genetische Analysen identifizierten die Salzwiesen im Nationalpark als Hauptquelle. Die Verwaltung legt verschiedene Handlungsoptionen vor — von einem umfassenden Programm bis zur reinen Dorf-Prävention. Der Rat hat sich in der Sitzung vom 13. Februar 2025 für eine vereinfachte Strategie ausgesprochen: ein Wissenschaftler soll drei Jahre lang beauftragt werden, BTI-Einsatz im Dorf und in kurzfristig gewässerten Gebieten soll ermöglicht werden, und Gäste sowie Gastgeber sollen über die Insel-Website informiert werden.

Einordnung

Beschlussvorlage der Verwaltung (Umwelt) in Folgeberatung; nach Erstberatung im Dezember 2024 wurde in der Ratssitzung am 13. Februar 2025 ein Beschlussvorschlag formuliert.

Hintergrund

Im September 2024 kam es zu einer außergewöhnlichen Mückenplage, ausgelöst durch Überflutung der Salzwiesen und klimatische Bedingungen. Als Hauptverursacher wurde die Art Aedes detritus identifiziert, die bereits 2008 auf Baltrum nachgewiesen wurde. Eingriffe direkt im Nationalpark sind durch naturschutzrechtliche Vorschriften stark eingeschränkt. Der Einsatz des biologischen Mittels BTI gilt im Nationalpark als genehmigungsrechtlich kaum durchsetzbar.

Was bedeutet das für Insulaner:innen?

Alle Insulaner:innen und Gäste sind von Mückenmassenbefall direkt betroffen — durch Beeinträchtigung der Lebensqualität und wirtschaftliche Schäden im Tourismus. Die beschlossene Strategie sieht konkrete Maßnahmen im Dorfbereich vor, die kurzfristig spürbar werden können. Langfristig soll wissenschaftliche Begleitung über drei Jahre helfen, das Risiko besser einzuschätzen und Genehmigungen für weitere Eingriffe vorzubereiten.

Die wichtigsten Punkte

  • Im September 2024 verursachte die Salzwiesen-Mückenart Aedes detritus eine außergewöhnliche Plage auf Spiekeroog
  • Der Rat hat sich für eine vereinfachte Bekämpfungsstrategie statt eines umfassenden Programms entschieden
  • Ein Wissenschaftler soll für drei Jahre beauftragt werden, die Lage zu analysieren und Genehmigungen vorzubereiten
  • BTI-Einsatz (biologisches Larvizid) soll im Dorf und in kurzfristig gewässerten Flächen ermöglicht werden
  • Gäste und Gastgeber:innen sollen über die Insel-Website mit fundierten Schutzhinweisen informiert werden

Relevanz für Insulaner:innen: 8/10

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Stand 21. Mai 2026. Maßgeblich ist immer das Original.

Eckdaten

Aktenzeichen
01/096/2024
Typ
📄 Sitzungsvorlage
Anhänge
1 Dokument
Im Radar seit
19. Mai 2026
Zuletzt aktualisiert
25. Mai 2026
Original
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Anlagen (1)

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    Sitzungsvorlage
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    BESCHLUSSVORLAGE
    öffentlich
    Vorgehensweise zur Bekämpfung und Prävention zukünftiger Mückenplagen
    Sachverhalt:
    Im September 2024 wurde Spiekeroog von einer außergewöhnlichen Mückenplage
    heimgesucht, die erhebliche Auswirkungen auf die Lebensqualität der Einwohner und die
    Wirtschaft der Insel hatte. Die Plage wurde durch eine Kombination aus klimatischen
    Veränderungen und einer ungewöhnlichen Überflutung der Salzwiesen ausgelöst. Die
    genetische Bestimmung der Mücken hat zweifelsfrei ergeben, dass die Hauptquelle der
    Plage die Salzwiesen im Nationalpark waren. Es konnte hauptsächlich Aedes detritus
    nachwiesen werden, die europaweit als Plageart aus Salzwiesengebieten bekannt ist und
    bereits 2008 auf Baltrum identifiziert wurde. Aber auch in den Monaten davor war eine
    durchaus hohe Mückenbelastung wahrnehmbar.
    Die Herausforderung besteht darin, ein Gleichgewicht zwischen Naturschutz, Lebensqualität
    und Wirtschaftlichkeit zu finden. Die Möglichkeiten, direkt im Nationalpark einzugreifen, sind
    aufgrund hoher Genehmigungshürden und naturschutzrechtlicher Vorschriften äußerst
    begrenzt. Gleichzeitig sollte die Inselgemeinschaft Maßnahmen ergreifen, um zukünftige
    Plagen zu minimieren
    Zielsetzung:
    1. Entwicklung und Umsetzung eines nachhaltigen Maßnahmenplans zur Überwachung,
    Bekämpfung und Prävention von Mückenplagen.
    2. Berücksichtigung von Naturschutzauflagen und Förderung natürlicher
    Regulierungssysteme.
    3. Stärkung der Kommunikation und Transparenz gegenüber Einwohnern und Gästen.
    Mögliche Verfahrensschritte:
    1. Etablierung eines Mückenmonitorings:
    o Einrichtung eines arbeitsteiligen und finanzierbaren Überwachungssystems,
    das über die gesamte Mückensaison hinweg aktiv ist. Dieses Monitoring
    umfasst:
     Identifikation und Dokumentation von Brutgebieten.
     Regelmäßige Überwachung klimatischer und hydrologischer
    Bedingungen.
    Gemeinde Spiekeroog
    Umwelt
    Vorlagen-Nr.
    01/096/2024
    ↓ Beratungsfolge Sitzungstermin TOP
    Verwaltungsausschuss der Gemeinde Spiekeroog 10.12.2024
    Rat der Gemeinde Spiekeroog 19.12.2024
    Rat der Gemeinde Spiekeroog 13.02.2025
    Betreff:
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    2. Brutgebietskartierung:
    o Fortführung der begonnenen Kartierung potenzieller Brutgebiete in
    Zusammenarbeit mit Experten und Naturschutzbehörden.
    o Es gilt die gesamten Salzwiesen-Areale zu erfassen.
    3. Entwicklung einer Bekämpfungsstrategie:
    o Beauftragung eines Experten zur Erarbeitung einer Strategie zur Bekämpfung
    von Mückenlarven, insbesondere in zugänglichen Bereichen innerhalb und
    außerhalb des Nationalparks.
    o Klärung der Genehmigungsmöglichkeiten für Eingriffe in Wasserschutz- und
    Naturschutzgebieten.
    4. Förderung natürlicher Fressfeinde:
    o Initiativen zur Ansiedlung und Förderung von Mückenfressenden Tieren wie
    Fledermäusen, Schwalben und Libellen.
    o Prüfung der Installation von Brutkästen und der Schaffung geeigneter
    Lebensräume.
    5. Optimierung bestehender Strukturen:
    o Umbau des Kurparkteichs, um Mückenbrutstätten zu reduzieren (z. B. mehr
    Licht, Bachlauf, angepasste Uferzonen).
    o Verbesserung der Entwässerung an problematischen Stellen wie Damenpad,
    FFW-Gelände, CVJM und Lietz.
    6. Förderung privater Präventionsmaßnahmen:
    o Aufklärungskampagnen für Einwohner und Gastgeber zur Vermeidung von
    Brutstätten (z. B. Abdeckung von Wasserflächen, Verwendung von
    Mückenschutzmitteln).
    o Unterstützung der Außengastronomie bei der Anschaffung von
    Schutzsystemen (z. B. Vernebler, Mückengitter).
    7. Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit:
    o Regelmäßige Information der Inselbewohner und Gäste über laufende
    Maßnahmen.
    o Vermittlung eines klaren Signals, dass die Insel aktiv an Lösungen arbeitet,
    gleichzeitig aber auf naturschutzrechtliche Grenzen hinweist.
    8. Finanzierung:
    o Erstellung eines Finanzierungsplans für die vorgeschlagenen Maßnahmen.
    9. Strukturaufbau:
    o Prüfung der Machbarkeit einer neuen Struktur zur Umsetzung der
    Maßnahmen, da diese im Ehrenamt nicht realisierbar ist.
    o Einbindung eines externen Projektmanagers oder Institutionen, die auf
    Mückenbekämpfung spezialisiert sind. Dabei könnten wissenschaftliche
    Institute oder Umweltorganisationen angesprochen werden.
    o Alternativ: Entscheidung, die Mückenplage im Nationalpark weitgehend zu
    akzeptieren und sich auf die Prävention im Dorf und den besiedelten
    Bereichen zu konzentrieren.
    Ergänzende Hinweise:
     BTI-Anwendung: Bacillus thuringiensis israelensis (BTI) ist ein biologisches Mittel,
    das selektiv Mückenlarven tötet, ohne andere Organismen zu beeinträchtigen. Die
    Anwendung erfolgt gezielt in Brutgewässern und hat sich in anderen Regionen, wie
    am Oberrhein, bewährt. Der Vorteil liegt in der Umweltverträglichkeit, allerdings sind
    die Genehmigungsprozesse aufwändig. Erste Vorgespräche mit Experten haben
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    ergeben, dass eine Genehmigung im Nationalpark nahezu aussichtslos ist. Ein
    kompakter Antrag bei der Unteren Naturschutzbehörde und der
    Nationalparkverwaltung könnte die Möglichkeiten für den Einsatz von BTI klären.
    Der Gemeinderat wird um eine Richtungsentscheidung gebeten, in welchem Umfang sich die
    Verwaltung in diesem Vorhaben engagieren soll. Es ist essenziell, dass eine tragfähige und
    professionelle Struktur für die Umsetzung geschaffen wird, da eine fundierte Vorgehensweise
    die Aufgaben von Ehrenamtlichen und der Gemeindeverwaltung überfordern würde.
    Abwägung:
    1. Langfristiger und umfassender Ansatz:
    o Eine nachhaltige Bekämpfung der Mückenplage erfordert erhebliche
    Ressourcen, sowohl finanziell als auch personell. Eine "halbe" Lösung ist nicht
    umsetzbar. Maßnahmen wie die Einrichtung eines Monitorings, die Kartierung
    von Brutgebieten und die Anwendung biologischer Mittel wie BTI bedürfen
    langfristiger Planung und kontinuierlicher Umsetzung.
    o Das Vorgehen ist mit hohen Kosten verbunden und setzt eine langfristige
    Verpflichtung voraus. Der Nutzen könnte darin liegen, zukünftige extreme
    Mückenplagen zu verhindern und die Lebensqualität sowie die Attraktivität der
    Insel als Reiseziel zu sichern.
    2. Natürliche Schwankungen akzeptieren:
    o Mückenplagen könnten ein seltenes Ereignis bleiben. In den letzten zehn
    Jahren war die Belastung gering, und nur in den Jahren 2023 und 2024 wurde
    eine Zunahme verzeichnet. Dies könnte durch außergewöhnliche klimatische
    Bedingungen verursacht sein, die sich nicht jedes Jahr wiederholen.
    o Keine andere Insel in der Region betreibt aktive Mückenbekämpfung. Es stellt
    sich die Frage, ob Spiekeroog hier eine Vorreiterrolle übernehmen sollte, oder
    ob es ausreichend ist, die Plage als seltenes Naturereignis hinzunehmen.
    3. Kompromisslösung:
    o Statt eines umfassenden Programms könnte die Gemeinde prüfen, ob eine
    vereinfachte Bekämpfungsstrategie mit punktuellen Maßnahmen im Dorf und
    in unmittelbarer Umgebung ausreicht. Dies würde jedoch weiterhin eine
    langfristige Verpflichtung bedeuten und müsste mit begrenzten Ressourcen
    realisierbar sein.
    Zusätzliche Überlegungen:
     Ein umfassendes Engagement könnte langfristig die Attraktivität der Insel als
    Urlaubsziel sichern, birgt aber das Risiko hoher Kosten ohne garantierten Erfolg.
     Ein minimaler Ansatz oder das Akzeptieren der Plage als seltenes Naturereignis
    würde die Ressourcen der Gemeinde schonen, könnte jedoch bei erneuten Plagen
    die Lebensqualität beeinträchtigen und wirtschaftliche Schäden verursachen.
    Beschlussvorschlag aus der Ratssitzung am 13.02.2025:
    Der Rat spricht sich für eine vereinfachte Bekämpfungsstrategie aus und beauftragt die
    Verwaltung wie folgt:
    1. Ein Wissenschaftler soll über 3 Jahre beauftragt werden, um die Lage kontinuierlich zu
    analysieren und um ggf. erforderliche Genehmigungen vorzubereiten.
    2.Der Einsatz von BTI sollte im Dorf möglich sein, sowie in Gebieten, die kurzfristig
    gewässert werden.
    3. Eine Kommunikation zu den Gästen und Gastgebern mit fundierten Ratschlägen erfolgt
    über die Website der NSB.
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    Anlagenverzeichnis:
    Spiekeroog, den 18.02.2025
    (Kösters, Patrick)
    Abstimmungsergebnis:
    Fachausschuss Ja: Nein: Enth.:
    VA Ja: Nein: Enth.:
    RAT Ja: Nein: Enth.:

    Maschinell extrahiert am 21. Mai 2026. Layout-Elemente wie Tabellen oder Spalten können dabei verloren gehen — maßgeblich ist das Original-PDF.

Beratungsfolge

  1. Rat der Gemeinde Spiekeroog19. Dezember 2024, 20:00 UhrEntscheidungkein Beschluss
  2. Rat der Gemeinde Spiekeroog13. Februar 2025, 20:00 UhrEntscheidungeinstimmig